La speranza che i temi riguardanti la vita dell'uomo non facciano nascere "nuove differenze confessionali" è stata espressa dal Papa nel discorso alla delegazione della Chiesa unita evangelica luterana di Germania, ricevuta lunedì mattina, 24 gennaio.
Sehr geehrter Herr
Landesbischof Friedrich!
Liebe Freunde aus Deutschland!
Ganz herzlich heiße ich Sie als Vertreter der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands hier im Apostolischen Palast willkommen und freue mich, daß Sie als Delegation zum Abschluß der Gebetswoche für die Einheit der Christen nach Rom gekommen sind. Sie zeigen damit auch, daß unser ganzes Streben nach Einheit nur Frucht bringen kann, wenn es im gemeinsamen Beten verwurzelt ist. Besonders danken möchte ich Ihnen, lieber Herr Landesbischof, für Ihre Worte, die mit großer Ehrlichkeit die gemeinsamen Bemühungen um eine tiefere Einheit unter allen Christen zum Ausdruck bringen.
Mittlerweile kann der offizielle Dialog zwischen Lutheranern und Katholiken - bei mir steht geschrieben - auf mehr als 50 Jahre intensiver Arbeit zurückblicken. - Sie haben gesagt 30 Jahre. Ich denke vor 30 Jahren haben wir nach dem Papstbesuch ganz offiziell begonnen, aber de facto haben wir natürlich schon lange miteinander geredet. Ich war ja selbst Mitglied beim "Jaeger-Stählin-Kreis", der direkt nach dem Krieg entstanden ist. So kann man sowohl 50 wie 30 Jahre sagen. - Trotz weiterhin bestehender theologischer Differenzen in zum Teil fundamentalen Fragen ist ein Miteinander gewachsen, das zunehmend zu einem Grundstock gelebter Gemeinschaft im Glauben und in der Spiritualität zwischen Lutheranern und Katholiken wird. Das bereits Erreichte stärkt unsere Zuversicht, im Dialog weiterzugehen und so auf dem gemeinsamen Weg zu bleiben, auf dem Weg der letztlich Jesus Christus selber ist. Insoweit ist die Verpflichtung der katholischen Kirche zur Ökumene, wie mein verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul ii. in seiner Enzyklika Ut unum sint gesagt hat, keine bloße Kommunikationsstrategie in einer sich wandelnden Welt, sondern eine Grundverpflichtung der Kirche von ihrer Sendung her (vgl. Nrn 28-32).
Manchem Zeitgenossen scheint das gemeinsame Ziel der vollen, sichtbaren Einheit der Christen heute wieder weiter entfernt zu sein. Die ökumenischen Gesprächspartner tragen ganz unterschiedliche Vorstellungen von Kircheneinheit in den Dialog hinein. Ich teile die Sorge vieler Christen, daß die Früchte der ökumenischen Arbeit, vor allem im Blick auf das Kirchen- und Amtsverständnis, von den ökumenischen Partnern noch nicht in genügendem Maße rezipiert werden. Und dennoch, wenn sich auch immer wieder neue Schwierigkeiten auftun, blicken wir hoffnungsvoll in die Zukunft. Wenngleich die Spaltungen der Christen ein Hindernis sind, die Fülle der Katholizität in der Wirklichkeit des Lebens der Kirche voll auszuprägen, wie es ihr in Christus und durch Christus verheißen wurde (vgl. Unitatis redintegratio, 4), vertrauen wir darauf, daß unter der Führung des Heiligen Geistes der ökumenische Dialog als ein wichtiges Werkzeug im Leben der Kirche dazu dient, diesen Widerspruch zu überwinden. Dies wird auch weiterhin in erster Linie durch das theologische Gespräch geschehen, das zu einer Verständigung in den offenen Fragen beitragen soll, die eine Hürde auf dem Weg zur sichtbaren Einheit und zur gemeinsamen Feier der Eucharistie als Sakrament der Einheit unter den Christen darstellen.
Erfreulich ist es festzustellen, daß neben dem internationalen lutherisch-katholischen Dialog zum Thema "Taufe und wachsende Kirchengemeinschaft" auch in Deutschland seit dem Jahr 2009 wieder eine bilaterale Dialogkommission zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands ihre Arbeit zum Thema "Gott und die Würde des Menschen" aufgenommen hat. Unter diesen Themenbereich fallen besonders auch die in jüngerer Zeit entstandenen Problemkreise bezüglich des Schutzes und der Würde des menschlichen Lebens sowie die drängenden Fragen zu Familie, Ehe und Sexualität, die nicht verschwiegen oder übergangen werden dürfen, nur um den bisherigen Konsens nicht zu gefährden. Wir hoffen sehr, daß bei diesen wichtigen Lebensfragen keine neuen konfessionellen Differenzen erscheinen, sondern daß wir miteinander vor der Welt und für die Menschen Zeugnis ablegen können für das, was uns der Herr gezeigt hat und zeigt.
Der ökumenische Dialog kann heute von der Wirklichkeit und dem Leben aus dem Glauben in unseren Kirchen nicht mehr abgetrennt werden, ohne ihnen selbst Schaden zuzufügen. So richten wir unseren Blick gemeinsam auf das Jahr 2017, das uns an die Veröffentlichung der Thesen Martin Luthers zum Ablaß vor fünfhundert Jahren erinnert. Zu diesem Anlaß werden Lutheraner und Katholiken die Möglichkeit haben, weltweit ein gemeinsames ökumenisches Gedenken zu begehen, weltweit um die Grundfragen zu ringen, nicht - wie Sie selbst gerade gesagt haben - in Form einer triumphalistischen Feier, sondern im gemeinsamen Bekenntnis zum dreifaltigen Gott, im gemeinsamen Gehorsam gegen unseren Herrn und sein Wort. Dabei müssen das gemeinsame Gebet und das innige Bitten an unseren Herrn Jesus Christus um Vergebung für das einander angetane Unrecht und für die Schuld an den Spaltungen einen wichtigen Platz einnehmen. Zu dieser Reinigung des Gewissens gehört auch der gegenseitige Austausch darüber, wie wir die 1500 Jahre bewerten, die der Reformation vorausgegangen und deshalb uns gemeinsam sind. Dazu wollen wir gemeinsam beharrlich um Gottes Hilfe und den Beistand des Heiligen Geistes bitten, um weitere Schritte auf die ersehnte Einheit hin zu gehen und nicht bloß im Erreichten zu verharren.
Auf diesem Weg ermutigt uns ebenso die diesjährige Gebetswoche für die Einheit der Christen. Sie erinnert an den Abschnitt aus der Apostelgeschichte: "Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten" (Apg 2, 42). In diesen vier Haltungen und Handlungen waren die ersten Christen beständig, und so wuchs die Gemeinschaft mit Christus und aus ihr das Miteinander der Menschen in Christus. Dieses eindrucksvolle und für die Welt sichtbare Zeugnis der Einheit der frühen Kirche möge auch uns Ansporn und Richtschnur für unseren gemeinsamen ökumenischen Weg in die Zukunft sein.
In der Hoffnung, daß Ihr Besuch die bewährte Zusammenarbeit zwischen Lutheranern und Katholiken in Deutschland weiter stärken wird, erbitte ich Ihnen allen Gottes Gnade und seinen reichen Segen.
Ecco una nostra traduzione italiana del discorso del Papa.
Vescovo regionale Friedrich!
Cari amici della Germania!
Porgo un cordiale benvenuto a tutti voi, rappresentanti dei vertici della Chiesa Unita Evangelica Luterana Tedesca qui nel Palazzo Apostolico e mi rallegro per il fatto che voi, come delegazione, siete venuti a Roma a conclusione della settimana di preghiera per l'unità dei cristiani. In questo modo mostrate anche che tutto il nostro anelito all'unità può recare frutti soltanto se radicato nella preghiera comune. In particolare, vorrei ringraziare Lei, caro Vescovo regionale, per le sue parole che, con grande sincerità, esprimono gli sforzi comuni per un'unità più profonda fra tutti i cristiani.
Nel frattempo, il dialogo ufficiale fra luterani e cattolici - così è scritto qui - può guardare indietro a più di cinquant'anni di intensa attività. Lei ha parlato di trent'anni. Penso che trent'anni fa, dopo la visita del Papa, abbiamo iniziato ufficialmente ma di fatto era già da molto tempo che dialogavamo. Io stesso sono stato membro del "Jaeger-Stählin-Kreis" nato direttamente dopo la guerra. Si può quindi parlare sia di cinquanta sia di trent'anni. Nonostante le differenze teologiche che continuano a esistere su questioni in parte fondamentali, è cresciuto un "insieme" fra noi, che diviene sempre più la base di una comunione vissuta nella fede e nella spiritualità fra luterani e cattolici. Quanto già raggiunto rafforza la nostra fiducia nel proseguire il dialogo perché soltanto così possiamo rimanere insieme lungo quella via che in definitiva è Gesù Cristo stesso.
Quindi, l'impegno della Chiesa cattolica per l'ecumenismo, come ha affermato il mio venerato predecessore Papa Giovanni Paolo ii nella sua Enciclica Ut unum sint, non è una mera strategia di comunicazione in un mondo che muta, ma un impegno fondamentale della Chiesa a partire dalla propria missione (cfr. Nm 28-32).
A qualche contemporaneo la meta comune dell'unità piena e visibile dei cristiani oggi sembra essere di nuovo più lontana. Gli interlocutori ecumenici portano nel dialogo idee sull'unità della Chiesa completamente diverse. Condivido la preoccupazione di molti cristiani per il fatto che i frutti dell'opera ecumenica, soprattutto in relazione all'idea di Chiesa e di ministero, non vengono ancora recepiti a sufficienza dagli interlocutori ecumenici. Tuttavia, anche se sorgono sempre nuove difficoltà, guardiamo con speranza al futuro. Anche se le divisioni dei cristiani sono un ostacolo nel modellare pienamente la cattolicità nella realtà della vita della Chiesa, come le è stato promesso in Cristo e attraverso Cristo (cfr. Unitatis redintegratio, n. 4) , confidiamo nel fatto che, sotto la guida dello Spirito Santo, il dialogo ecumenico, quale strumento importante nella vita della Chiesa, serva a superare questo conflitto. Ciò avverrà, in primo luogo, anche attraverso il dialogo teologico, che deve contribuire a un'intesa sulle questioni aperte, che sono un ostacolo lungo il cammino verso l'unità visibile e la celebrazione comune dell'Eucaristia come sacramento dell'unità fra i cristiani.
Fa piacere affermare che accanto al dialogo luterano cattolico internazionale sul tema "Battesimo e la crescente comunione ecclesiale", anche in Germania dal 2009 una commissione bilaterale di dialogo della Conferenza Episcopale e della Chiesa evangelica luterana tedesca ha ripreso la sua attività sul tema: "Dio e la dignità dell'uomo". Questo ambito tematico comprende in particolare anche i problemi sorti di recente in relazione alla tutela e alla dignità della vita umana, così come le questioni urgenti della famiglia, il matrimonio e la sessualità, che non possono essere taciute o trascurate solo per non mettere a repentaglio il consenso ecumenico raggiunto finora. Auspichiamo che in queste importanti questioni relative alla vita non nascano nuove differenze confessionali ma che insieme possiamo rendere testimonianza al mondo e agli uomini di ciò che il Signore ci ha mostrato e ci mostra.
Oggi il dialogo ecumenico non può più essere scisso dalla realtà e dalla vita nella fede nelle nostre Chiese senza recare loro danno. Quindi volgiamo insieme il nostro sguardo all'anno 2017, che ci ricorda l'affissione delle tesi di Martin Lutero sulle indulgenze cinquecento anni fa. In quell'occasione luterani e cattolici avranno l'opportunità di celebrare in tutto il mondo una comune commemorazione ecumenica, di lottare a livello mondiale per le questioni fondamentali, non - come lei stesso ha appena detto - sotto forma di una celebrazione trionfalistica, ma come un professione comune della nostra fede nel Dio Uno e Trino, nell'obbedienza comune a Nostro Signore e alla sua Parola. Dobbiamo attribuire un posto importante alla preghiera comune e alla preghiera interiore rivolte a nostro Signore Gesù Cristo per il perdono dei torti reciproci e per la colpa relativa alle divisioni. Di questa purificazione della coscienza fa parte lo scambio reciproco sulla valutazione dei 1500 anni che hanno preceduto la Riforma e che perciò sono a noi comuni. Per questo desideriamo implorare insieme, in modo costante, l'aiuto di Dio e l'assistenza dello Spirito Santo, per poter compiere passi ulteriori verso l'unità agognata e non rimanere fermi ai risultati ottenuti.
Lungo questo cammino ci incoraggia anche la settimana di preghiera per l'unità dei cristiani di quest'anno. Ci ricorda il capitolo degli Atti degli Apostoli: "Erano perseveranti nell'insegnamento degli apostoli e nella comunione, nello spezzare il pane e nelle preghiere" (At, 2, 42). In questi quattro atti e comportamenti i primi cristiani erano costanti, e quindi la comunità cresceva con Cristo e da essa scaturiva questo "insieme" degli uomini in Cristo. Questa testimonianza, straordinaria e visibile al mondo, dell'unità della Chiesa primitiva potrebbe essere anche per noi sprone e norma per il nostro cammino ecumenico comune nel futuro.
Nella speranza che la vostra visita rafforzi ulteriormente la valida collaborazione fra luterani e cattolici in Germania, imploro per voi tutti la grazia di Dio e le sue abbondanti benedizioni.
(©L'Osservatore Romano - 24-25 gennaio 2011)